Die Klimaforschung weist schon lange auf die Dringlichkeit von Mitigation, Transformation und Anpassung hin. Mit den herkömmlichen Mitteln, insbesondere wissenschaftlichen Publikationen und der sogenannten „Dissemination“ von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft kommen wir jedoch nicht oder zumindest nicht schnell genug ins Handeln. Daher setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass über die wissenschaftlichen Disziplinen hinaus – transdisziplinär – mit allen Akteuren der Gesellschaft gemeinsam Lösungen für die Klimakrise entwickelt und implementiert werden müssen. Diese Lösungen müssen gleichzeitig praktikabel, akzeptabel und wissenschaftlich robust sein. Das erfordert schon bei der Formulierung von Forschungsfragen und dann kontinuierlich über den ganzen Verlauf von Forschungsprojekten hinweg die Zusammenarbeit (Co-design & Co-production) zwischen Wissenschaft und Stakeholder:innen. Dafür haben sich zahlreiche partizipative Formate und Dialogformen etabliert (z.B. The Agile Initiative und Living Labs). Diese transdisziplinären Formate zeichnen sich durch ihre Offenheit für verschiedene Wissensformen aus und zielen auf gegenseitiges und gemeinsames Lernen (mutual learning) ab.
Raphaela Maier, Andrea Jany und Holger Hoff setzen als Transacademic Interface Manager (TIM) transdisziplinäre Formate im Profilbereich Climate Change um.
Holger Hoff hat umfassende Erfahrung in der transdisziplinären Ausrichtung von lokalen, nationalen und internationalen Projekten in der Klima-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Er hat lange für das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Stockholm Environment Institut (SEI) gearbeitet. In dieser Zeit hat er u.a. die deutsche und schwedische Entwicklungszusammenarbeit wissenschaftlich beraten und hat mit zahlreichen staatlichen, privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren daran gearbeitet vom Wissen zum Handeln zu kommen.
Als TIM im Profilbereich Climate Change der Universität Graz entwickelt er transdisziplinäre Formate in Forschung und Lehre. So trägt er zur anwendungs- und nachfrageorientierten Ausrichtung von Projekten wie Integrate und DISCC-AT. bei, wie auch zu einer entsprechenden Ausrichtung neuer Projektanträge. Ebenso arbeitet er Stakeholder Beteiligungen in bestehende und neue Lehrformate ein, wie z.B. in Interdisziplinäre Praktika (IPs) der Universität Graz und den Sustainability Challenge (universitätsübergreifend) bei dem Studierende, Wissenschaftler:innen und Praxispartner:innen gemeinsam neue Lösungen erarbeiten. Ziel ist es, diese Formate zu verstetigen, indem im Profilbereich ein Campus Living Lab entsteht.
Für die Vernetzung der Uni Graz mit der nationalen und internationalen Transdisziplinaritäts-Community arbeitet der TIM im Schwerpunkt 1 von UniNEtZ (Transdisziplinäre Dialoge) und ist Mitglied in der IGlobal Alliance for Inter- and Transdisciplinarity (ITD) sowie in der Gesellschaft für Transdisziplinäre und Partizipative Forschung (GTPF). Zudem hat er den Co-Lead der Arbeitsgruppe Klimaneutralität des CCCA inne, in der gegenwärtig Leitfäden zu Klimaneutralität für Unternehmen und Städte und Gemeinden erarbeitet werden.
Andrea Jany ist Wissenschaftlerin mit einem Diplom der Bauhaus-Universität Weimar im Bereich Architektur und einem Doktorat der Technischen Universität Graz, das sie mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Ihre Dissertation untersuchte das Wohnbauprogramm Modell Steiermark – ein europaweit einzigartiges Experiment des sozialen Wohnbaus der Nachkriegszeit – aus architekturhistorischer und soziologischer Perspektive, publiziert als Experiment Wohnbau (Jovis). Als Marshall Plan Scholar forschte sie am Stanford Humanities Center in Kalifornien zu Sozialdemokratie und gebauter Gemeinschaft; 2017/18 lehrte sie dort im Rahmen des Sustainable Cities-Programms. Diesen Blick für das Wechselspiel von gebauter Umwelt, Politik und gesellschaftlichem Wandel trägt sie seither in ihre Forschung.
Im Jahr 2015 war sie Mitgründerin des Instituts für Wohnbauforschung. In nationalen und internationalen Projekten – darunter S'ReVit (smarte Revitalisierung von Wohngebäuden, FFG), GO4CO (Governance für Cohousing, Klimafonds Österreich) – hat sie transdisziplinäre Ansätze entwickelt, die Bewohner:innen, Planende und zivilgesellschaftliche Akteur:innen von der Problemdefinition bis zur Umsetzung einbinden. Als Coordinating Lead Author des APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben (2022) sowie für UniNEtZ den Bereich des SDG 11.1 – Sicheres und leistbares Wohnen hat sie das Handlungsfeld Wohnen im österreichischen Klimadiskurs mitgeprägt. Gemeinsam mit Eugen Gross gab sie 2022 den Band Gelebte Utopie – Die Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz (Jovis) heraus.
Seit 2024 forscht Andrea Jany am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz mit dem Schwerpunkt Transdisziplinarität im Kontext von Klimawandel und gebauter Umwelt. Im EU-Horizon-Projekt DeCO2 (Dynamic Decarbonization Pathways Framework) leitet sie das Living Lab Graz in der Terrassenhaussiedlung und erprobt, wie technologische, soziale und politische Innovationen für eine klimagerechte Sanierung im denkmalgeschützten Bestand zusammenwirken. Im europäischen Verbundprojekt HeriSol verantwortet sie den WP-Lead für vier Demonstratoren europaweit, im MSCA Projekt CHARM (Conservation of Heritage Architecture, Buildings and Sites by Resilient Methods) untersucht sie gemeinsam mit der PhD-Kandidatin qualitative Methoden zur Erfassung von Community Engagement im Kontext von Klimarisiken und Kulturerbe. Im Qualifizierungsprogramm KLIK (klimakompetente Städte, Klimafonds Österreich) bringt sie Baukultur und zirkuläre Stadtplanung in die kommunale Praxis.
Jany lehrt an der Universität Graz sowie an der Technischen Universität Graz zu Wohnbau, Partizipation und nachhaltiger Stadtentwicklung. Sie ist Vorstandsmitglied der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs und Mitinitiatorin des WOHNBAU.DIALOG STEIERMARK. Im Profilbereich Climate Change Graz ist sie seit 2023 Associated Member, seit 2025 Mitglied der Transdisciplinarity – Community of Practice und seit 2026 im Team der Transacademic Interface Manager (TIM) tätig. Ihr Ziel ist es, basierend auf den bisherigen engagierten Aktivitäten, diese dynamische Plattform mit verlässlichen Strukturen für Netzwerkpflege, Sichtbarkeit, Austausch und Projektentwicklung weiter aus- und aufzubauen. Die mittel- bis langfristige Vision ist der Aufbau einer eigenständigen Forschungsgruppe für Transdisziplinarität an der Universität Graz, in der Wissen produziert und verknüpft wird, Forschung gesellschaftliche Wirkung entfaltet und daraus langfristige, tragfähige Partnerschaften für die notwendige Transformation erwachsen.
Raphaela Maier ist promovierte Umweltsystemwissenschaftlerin und hat im Laufe ihrer langjährigen und internationalen Ausbildung mit vielfältigen Perspektiven und Kulturen gearbeitet. Dieses Wissen hat sie in ihrer Forschung am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz und an der Oxford University in nationalen und internationalen Projekten zur Klimawandel Mitigation und Anpassung (z.B. EU Horizon TIPPING.plus, A-LEVER) erfolgreich eingebracht. Dabei wurde ihr zunehmend bewusst, wie wichtig es ist, wissenschaftliche Grenzen zu überwinden und in Zusammenarbeit mit der Praxis umsetzbare Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels zu entwickeln.
Als TIM des Profilbereichs Climate Change der Universität Graz baut sie ein transdisziplinäres Austauschformat auf, in dem Wissenschaftler:innen und gesellschaftliche Akteure kontinuierlich zusammenarbeiten, um gemeinsame Forschungsfragen zu erarbeiten, die in sogenannten Forschungssprints umgesetzt werden. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen dem Profilbereich Climate Change und relevanten Stakeholdern und Netzwerken und unterstützt die Mitglieder des Profilbereichs bei der Initiierung und Durchführung transdisziplinärer Projekte und Stakeholderprozesse.
Dr.rer.nat. Holger Hoff
Dr.techn. Andrea Jany