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Donnerstag, 03.02.2022

Weniger Wasser

Der Rückzug der Gletscher, das Ansteigen der Schneefallgrenze und die Veränderung der Niederschläge infolge des Klimawandels bedrohen Wasserressourcen für Menschen und Ökosysteme. Foto: Wolfgang Schöner

Der Rückzug der Gletscher, das Ansteigen der Schneefallgrenze und die Veränderung der Niederschläge infolge des Klimawandels bedrohen Wasserressourcen für Menschen und Ökosysteme. Foto: Wolfgang Schöner

Der Rückgang von Schnee und Eis in den Bergen könnte schneller erfolgen als bisher angenommen

Eine verstärkte Erwärmung der Gebirge in Verbindung mit einer schwächeren Veränderung der Niederschlagsmengen im Vergleich zu Tieflandregionen könnte die Schnee- und Eisspeicher in den Bergen schneller erschöpfen als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen neue Forschungen einer Arbeitsgruppe der Mountain Research Initiative (MRI) mit Sitz in der Schweiz. Einer der Autoren der Studie ist Wolfgang Schöner, Professor am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz.

Gebirge bedecken einen großen Teil der Erdoberfläche. Sie beherbergen fragile Ökosysteme, enthalten den größten Teil von Schnee und Eis außerhalb der Polarregionen und spielen somit eine wichtige Rolle für die Wasserversorgung. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts wird erwartet, dass etwa 1,5 Milliarden Menschen in Tieflandgebieten dringend auf Wasser aus den Bergen angewiesen sein werden. Doch der Rückzug der Gletscher, das Ansteigen der Schneefallgrenze und die Veränderung der Niederschläge infolge des Klimawandels bedrohen diese Ressourcen.

„Unsere Studie untersucht den Klimawandel in den Gebirgen im Vergleich mit den Veränderungen in Tieflandregionen seit 1900, mit Fokus auf die letzten vierzig Jahre, da sich in dieser Zeit viele Entwicklungen beschleunigt haben “, berichtet Wolfgang Schöner. Die ForscherInnen stützten sich dabei auf Daten von Wetterstationen, auf große globale Datensätze, basierend auf satellitengestützten Messungen und Simulationen, sowie auf Klimamodelle.

Bei ihren Analysen stellten sie fest, dass es weltweit in nahezu allen Bergregionen wärmer wird. Im Vergleich zu den Vorländern zeigte sich, dass die Temperatur in den Bergen meist schneller steigt. „Wenn wir jedoch den Durchschnitt der Daten aus allen Gebirgsgegenden der Erde ermitteln und diesen mit dem sämtlicher Tieflandregionen vergleichen, gibt es in Bezug auf die Erwärmung keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden“, fasst Schöner zusammen.

Anders sieht es bei den Veränderungen der Niederschläge aus. Die aktuelle Studie liefert zum ersten Mal Hinweise darauf, dass diese in Bergregionen nicht so rasch zunehmen wie im Tiefland. „In einigen Gebieten der Erde werden Niederschläge mehr, in anderen weniger. Im Durchschnitt ist weltweit ein Anstieg zu verzeichnen, wobei dieser fast überall in Tieflandgebieten am stärksten ausfällt, während die Zunahme in den Gebirgsregionen gedämpfter oder gar nicht vorhanden ist“, so Schöner.

Diese Kombination könnte dazu führen, dass die Schnee- und Eisspeicher in den Bergen noch schneller verloren gehen als bisher angenommen, mit erheblichen Folgen für die Ökosysteme und die Menschen, die auf diese lebenswichtigen Ressourcen angewiesen sind. Die Studie zeigt aber auch, dass die Gebirgsregionen viel schlechter durch Beobachtungssysteme erfasst sind als Tieflandregionen und deutliche Verbesserungen in Zukunft notwendig sind.

Publikation
Climate Changes and Their Elevational Patterns in the Mountains of the World
Pepin, N. C. et al.
Reviews of Geophysics (2021)
https://doi.org/10.1029/2020RG000730

Siehe auch:
Mountain Research Initiative
Decline in Mountain Snow and Ice May Be Faster Than Anticipated

Elevation-dependent warming in mountain regions of the world
Mountain Research Initiative EDW Working Group
Nature Climate Change (2015)
https://doi.org/10.1038/nclimate2563

Erstellt von Gudrun Pichler

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